07. Mai 2013

Millennium

Die Tür zu Bibliothek des Anwesens schloss sich mit einem leise klicken. Akio lehnte sich mit dem Rücken dagegen und atmete tief durch. Endlich wieder Stille. Wieso mussten auch alle zusammen Frühstücken? So viele Leute auf einen Haufen machten das Denken nur schwerer. Dann fiel sein Blick wieder auf die deaktivierte Phoebe. Er hatte der Androidin inzwischen die Kunsthaut abgezogen und die schwarzen Panzerplatten entfernt. Nun lag weißes Metall frei, an dem überall Steckverbindungen waren, an die man die Rüstung wieder anpassen konnte. Wieso war sie so konstruiert worden? Das ging ihm noch nicht in den Kopf, denn Sinn macht es nicht. Es wäre sinnvoller gewesen, wenn man die Panzerung ganz unten angebracht hätte. Oder hatte man unter der Panzerung weitere Systeme verborgen, die nicht sofort ersichtlich waren?
Ihre Funktionen hatte er ja bereits ausgelesen, aber was wenn…?
Akios Hirn begann zu Arbeiten. Details, die er vorher nicht wahrgenommen hatte, wurden plötzlich hervorgehoben und immer mehr Verknüpfungen ergaben Sinn. Langsam nickend ging er auf den Roboter zu und entfernte die letzten Teile der Panzerung, so dass auch die eng am Kopf liegenden Haare offenbar wurden. Sie waren dunkelrot und glänzten im Licht der Lampe. Ihre Züge waren auch nicht mehr Asiatisch. Sie war umgebaut worden. Sie war scheinbar an alle Ethnischen Rassen anpassbar, indem man einfach die Außenhaut anpasste. Nun hatte er also endlich die Grundform vor sich. Sogar ihre Augenfarbe war anders, denn nun hatte sie blau glühende Augen, wenn diese auch derzeit stumpf waren. Er würde sie bei Gelegenheit wieder aktivieren, aber vorher musste er sämtliche Funktionen kennen lernen und sie unter Kontrolle bringen. Ganz egal, ob der Befehl gegeben war oder nicht. Er konnte nicht wissen, oder garantieren, dass es keine Grundsatzprogrammierung gab, die man nicht überschreiben konnte. Vielleicht sogar ein Backupprogramm, dass sich irgendwann aktivierte. Phoebe war gefährlich, für ihn nicht und für Amanda sicher auch nicht, aber für die Anderen und das würde Teshi nicht gefallen. Er durfte die Anderen also nicht in Gefahr bringen, wenn er hier bleiben wollte um weiter forschen zu können.
Seine Hand fuhr über das weiße, warme Metall. Wieso war die Außenhülle warm, wenn sie ausgeschaltet war? Es dürfte keinerlei Energie mehr fließen. Selbst die kleinen Energieknoten, an denen die Panzerung befestigt wurde, leuchtete ganz leicht. Die Energie kehrte zurück, nachdem die Panzerung entfernt worden war. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, während er einen Schritt zurück machte. Irgendetwas hatte sich verändert. Akio blinzelte nochmal. Da war etwas anders. Ein ganz leises Zischen hatte sich in die Stille gemischt. Was war das? Seufzend ging er durch den Raum um herauszufinden von wo das Zischen kam.Plötzlich begann sich der Raum um sich zu drehen. Seine Hand griff ins Leere, die Knie gaben nach, der Boden kam rasend schnell auf ihn zu. Dann schlug seine Nase auf den Holzboden auf. Sein ganzer Körper gehorchte ihm nicht mehr. Zwischen seinem Gehirn und den Muskeln schien keine Verbindung mehr zu bestehen. Die Befehle sich zu bewegen wurden nicht mehr von seinen Gliedmaßen umgesetzt. Dafür nahm er jetzt auch einen ganz leichten Moschusgeruch wahr. Dann spürte er wie er hochgehoben wurde. Er konnte Phoebes Gesicht kam in sein Blickfeld und immer noch konnte er sich nicht bewegen. Die blau glimmenden Augen fixierten ihn gefühllos.

Backup aktiviert...
Massenkontrolleinheit aktiviert...
Backup 5%...

„Hör auf! HÖR AUF!“ Akio wollte schreien, aber kein Ton kam aus seiner Kehle, nicht einmal der Mund öffnete sich. Mit geweiteten Augen hörte er weitere Ansagen von Phoebe.

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07. Apr 2013

Millennium

Das Auto hielt vor der Abzweigung, die zum Anwesen des Ziels führte. Der Motor erstarb und das Schnurren hörte auf. Langsam stieg die Gestalt, die am Steuer gesessen hatte, aus und schaute sich kurz um. In ihren braunen Augen flackerten für einen Sekundenbruchteil winzige Nullen und Einsen auf, während die Umgebung gescannt wurde. Nachdem keine  verdächtigen Lebenszeichen oder Aktivitäten festzustellen war bewegte sich Einheit 16817525 in Richtung des Hauses. Noch während des Weges verarbeitete das Analyseprogramm die Daten, die es aus der Umgebung bekam. Das Haus selbst sendete eine Menge Strahlung und Funkverkehr, der aber abgeschirmt war. Außerdem war eine wage Präsenz wahrzunehmen, die sich nicht verarbeiten lies. Die Präsenz wurde unter „mögliche Gefahrenquelle“ abgelegt. Ein Finger hob sich und sendete einen kleinen Funkimpuls in Richtung des Hauses.
Dann erreichte sie das Anwesen, als die Sonne sich über die Ebene ergoss.

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07. Apr 2013

Millennium

Um Gambit herum breitete sich Dunkelheit aus. Der Magus stand mit geschlossenen Augen bewegungslos da. Er fühlte keinen Schmerz und keine Erschöpfung, wie noch im Hotelzimmer, bevor er eingeschlafen war. Er wusste ziemlich genau wo er sich befand. Es gab nicht viele Orte an denen er sich vollkommen sicher fühlte, dieser Ort der Wandlung aber war genau das. Ein sicherer Ort den Niemand erreichen konnte, außer ihm.
„Du warst lange nicht mehr hier Seraphim.“ Erklang eine Stimme in der Dunkelheit, die schon während dieser wenigen Worte die Stimmlage von tief zu hoch wechselte. Ein samtenes Grünes Licht erschien in der Dunkelheit und wuchs langsam heran, so dass die ihn umgebende Architektur sichtbar wurde. Langsam öffnete der Erzmagus die Augen und betrachtete die Ruinen, die sich um ihn herum erhoben. Einstmals mussten es viele altehrwürdige Gebäude gewesen sein. Tempel, Versammlungshallen, Wolkenkratzer, alles war hier versammelt. Es bildete ein unendliches Gewirr, aus Gassen, Gängen und Straßen, welches sich ständig veränderte. Lächeln atmete er die kühle Luft ein, die nach Kräutern und Rauchwerk duftete. Irgendwo in diesem Labyrinth gab e einen Platz der sich nur selten änderte, aber diesen suchte er diesmal nicht. Die Veränderung umgab ihn mit jedem Schritt mehr und mehr fing sie ihn ein und veränderte auch sein Erscheinungsbild. Hatte er eben noch seinen schwarzen Ledermantel und den Hut getragen, so trug er nun eine Nickelbrille und einen weißen Kittel. Seine Füße waren nackt, genau wie seine Hände und dabei begann gerade Schnee aus der Schwärze herab zu rieseln und die Steine um ihn herum zu bedecken. Die Temperatur senkte sich schlagartig und sein Atem begann Wölkchen vor seinem Mund zu produzieren.

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07. Apr 2013

Millennium


Stimmung
Jun Matsumoto erhob sich langsam von seinem Thron in der Mitte des Festsaales. Ein leichter Wink mit der Hand forderte Kazu und Sho auf ihm zu folgen. Ihm fielen einige Blicke der anderen Jina auf, die sich unter den Gästen befanden und er glaubte sogar einen Neuen zu sehen, der ungläubig in seine Richtung starrte. Dieses Geschöpf würde keinen Eintritt in die Kreise des Hofes finden. Zusammen mit seinen engsten Vertrauten betrat er eines der Separees, während Kazu hinter sich die Tür schloss drehte der Daimyo sich um. Shos Geschichtsausdruck war wie immer von Desinteresse geprägt. Kazu hingegen lächelte leicht, wurde aber sofort ernst, nachdem die Tür geschlossen war.

„Das war ein sehr interessantes Intermezzo.“ Ein leises Lachen war von Kazu zu hören. „Diese drei Magier waren ganz schön dreist, aber euer Auftreten gegenüber der Frau war ein Fehler.“ Der Kopf des Daimyos ruckte herum und betrachtete den Kranich aus verengten Augen. Dieser lies sich aber von der aggressiven Aura des Teufelstigers, die nun den Raum erfüllte, nicht einschüchtern. „Ihr habt euch hinreißen lassen, die Provokationen dieser Frau auf euch wirken zu lassen. Als ihr sie geschlagen habt, ist denke euer Ruf beschädigt worden.“

Veröffentlicht durch Ayou

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© 1998-2013 Nadine Posny