Beiträge in ‘kreatives Schreiben’

22. Feb 2012

Ich erinnere mich nicht mehr genau wann alles begann, aber für mich ist dieser eine Moment noch sehr gut in meinem Gedächtnis geblieben. Damals konnte ich meine eigene, schluchzende Stimme vernehmen, welche die Worte sprach: “Warum kann es nicht einfach alles aufhören?” Aber es klang fremd, obwohl ich es selbst ausgesprochen hatte.

Auch, wenn die Frage nach dem Warum selten eine Antwort bekommt, stellte ich sie. Ich war verzweifelt – und fühlte mich allein. Mein Zwillingsbruder lag vor mir auf dem Boden, sein Hals war aufgerissen und es quoll noch immer etwas Blut daraus hervor. Eben noch hatten wir uns gestritten und nun hatte ich ein schlechtes Gewissen – als hätte ich ihn selbst getötet. Ich hatte ihn allein gelassen, hatte ihm den Tod gewünscht…

Veröffentlicht durch Thazyria

05. Jun 2010

Mit einem letzten kräftigen Schlag zerteilte Tao das Holzscheit und legte beide Hälften auf den Stapel, den er schon geschlagen hatte, bevor er die Axt an den Gürtel hängte und sich das Holzgestell auf den Rücken wuchtete. Er ächzte unter dem Gewicht, lief aber trotzdem schwankend los. Nach kurzer Zeit hatte er eine Haltung gefunden in der er das Holz bequem tragen konnte und dabei einen recht Schnellen Schritt am Leibe hatte.
Während er durch das Wäldchen stapfte aus dem er Holz für Miris Wintervorrat geholt hatte, dachte er über die letzten Zwei Tage nach.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

15. Mai 2010

Ein Keuchen erklang und der Schemen taumelte zurück. Ohne weiter nachzudenken rollte sie sich von der Matratze, auf der sie lag, und wollte aufspringen. Allerdings machte ihr eine weitere Gestalt einen Strich durch die Rechnung, indem er sie auf den Boden drückte. „Ayoun bleib liegen!“ drang eine Stimme in ihren Verstand, die sie eigentlich kennen sollte. Aber sie wusste nicht woher. Sie fühlte sehnige Muskeln an den Armen, die sie hielten und kräftige Hände, die sie zu Boden drückten. Sie wehrte sich weiter und versuchte nach dem neuen Angreifer zu treten aber dieser nagelte ihre Beine am Boden fest.
„Hör auf was soll das? Wir sind es!“ zischte der Mann auf ihr. „Ayoun hör zu. Du hast ganz schön was abgekriegt. Du musst liegen bleiben verstehst du?“ redete die Stimme weiter auf sie ein, allerdings drangen die Worte nur langsam in Ayouns Bewusstsein.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

10. Mai 2010

Leise schloss Sorae die Schiebetür ihres kleinen Hauses. Sofort stand sie wieder im Stockdunkeln, aber sie kannte ihr Reich in und auswendig und stolperte deswegen nicht einmal über den niedrigen Tisch, der in der Mitte des Raumes stand, als sie die Kerzen anzündete die in einem eisernen Ständer in der Ecke steckten. Nachdem die Kerzen die Dunkelheit vertrieben hatten wurde der Rest der spartanischen Einrichtung sichtbar. Mehr als eine Strohmatte, der niedrige Tisch und eine Teeschale aus feinem Porzellan war nicht zu sehen. Sorae nahm die Schale und ging ins Nebenzimmer, das einzige, welches neben dem Vorraum noch existierte. Hier lag ihr Bett auf dem Holzboden und hier war auch der zweite Ausgang, der auf eine kleine Terrasse und schließlich zum Brunnen führte, aus dem sie ihr Wasser schöpfte.

Veröffentlicht durch Roland R. Posny

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